Heilfasten und Yoga 

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Psychosynthese

Jedes Lebewesen befindet sich in einem permanenten Prozess der Entwicklung und Veränderung. Im Laufe seines Lebens wird das Individuum mit immer 
neuen Entwicklungsimpulsen konfrontiert, die zu Konflikten und leidvollen Erfahrungen führen können. Unser nach Außen sich orientierendes Alltags-Ich ist bestrebt, einen stabilen Zustand aufrechtzuerhalten, um die mit einer Veränderung eingehende Unsicherheit oder Angst zu vermeiden. Gerade dadurch gerät das Ich aber oft in eine Sackgasse. Die daraus resultierenden Blockierungen kommen unterschiedlich zum Ausdruck: sie können sich als körperliche, psychische oder psychosomatische Krankheit äußern. 
     
Auch wenn das Ich mit seiner Lebenssituation zufrieden sein mag und sich anscheinend in einem stabilen Gleichgewicht befindet, kann die übergeordnete Instanz in uns -das Selbst- auf eine Weiterentwicklung drängen. So wird Krankheit und Leid als ein Ausdruck innerhalb eines umfassenderen Individuationsprozesses verstanden. Dann muss auch Heilung mehr bedeuten als ein bloßes Kurieren von Symptomen. Sie muss dann darauf ausgerichtet sein, die entstandenen Blockaden des Menschen zu orten und zu lösen, damit er sich den neuen Impulsen öffnen und den notwendigen Entwicklungsschritt vollziehen kann. Dieser den ganzen Menschen umfassende Vorgang zielt auf eine Transformation der Gesamtpersönlichkeit ab.
Es ist Aufgabe des Therapeuten, dem Suchenden einen Schutzraum zu bieten, in dem der Umwandlungsprozess ungehindert stattfinden kann.

Krankheit ist also Teil eines jeglichen menschlichen Individuationsprozesses, der darauf ausgerichtet ist, uns zu dem zu machen, was wir potentiell sind. Aus der ganzheitlichen Sicht der Psychosynthese erscheint die Bekämpfung einer Symptomatik völlig irrelevant und ohne eigentlichen therapeutischen Nutzen.

Wahre Heilung entspricht einer Reise in die Tiefen des Menschseins, die weiter reicht als die Tragödie irgendeiner Krankheit. Heilung ist mit dem Wissen verbunden, dass wir lernen können, uns von lebensbehindernden Konditionierungen und inneren Konflikten zu befreien, unsere kreativen und intuitiven Kräfte zu entfalten und unsere Liebesfähigkeit und Lebensfreude zu vertiefen. Deshalb reicht es nicht aus, das Leben allein im Sinne unserer Bedürfnisse und Nöte zu beeinflussen; viel ergreifender ist es, zu erkennen, wie wir vom Leben her gemeint sind. Dies weist über die alltägliche Bequemlichkeit hinaus in die Fülle des Daseins, die wir nicht mehr vorhersehen oder manipulieren können, in eine Wirklichkeit, in der die beste Versicherung in der festen Überzeugung besteht , dass die für uns verfügbaren Reichtümer unendlich sind, worin sie auch immer bestehen.

Der Versuch, eine Krankheit zu beseitigen, ohne daraus zu lernen, macht nur eine weitere Form des Leidens oder der Krankheit erforderlich....bis wir das Not-wendige  - "das was die Not wendet" - erkannt haben.

              "Glaubst Du denn, es sei möglich, von der Natur der Seele
      eine nennenswerte Kenntnis zu erwerben, ohne den Zusammenhang
                    mit der Natur des Ganzen der Welt ?"
               
                                                                            Sokrates